Gicht


Gicht (Urikopathie)

Synonyme

  • Arthritis urica, Gicht-Arthritis, Akuter Gichtanfall, Tophöse Gicht.


Einleitung

  • Gicht ist eine Erkrankung durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut mit Ausfällungen von Natriumuratkristallen. Harnsäure (Acidum uricum) ist ein Entprodukte das beim Abbau von Purinen (Adenosin, Guanosin) entsteht. Purine werden beim Abbau körpereigener Zellen gebildet (endogen) und nur zu einem kleineren Teil von aussen (exogen) durch purinhaltige Lebensmittel zugeführt. Gebildet wird die Harnsäure praktisch nur in der Leber und im Dünndarm. Ausgeschieden wird die Harnsäure über die Nieren. 
  • Wenn der Purinstoffwechsel gestört ist, kommt es zur Verminderung der Harnsäureausscheidung über die Nieren (Hyperurikämie), dies kann zu Ablagerungen von Harnsäure-Salzen in kristalliner Form führen, besonders im Bereich der Gelenke und Bindegewebe (Bänder, Sehnen, Faszien, Knorpel, Ohrmuschel, ...) und im Parenchym von Organen wie den Nieren. Da Harnsäure nur schwer wasserlöslich ist, führen diese Ablagerungen zu Entzündungen (z.B. Arthritis urica; Kristallarthritis) und schädigen dabei das umliegende Gewebe (Knochen, Knorpel). Zudem bilden sich Tophis (Natriumuratkristall). Diese Symptomatik wird erst als Gicht bezeichnet.
  • Betroffen sind v.a. Männer, bei Frauen erhöht sich das Risiko erst nach der Menopause. Etwa jeder sechste Mann hat eine erhöhte Harnsäureblutspiegel über 6.5-7.0 mg/dl Serum, also einen Wert über dem Idealwert (Hyperurikämie), der zur Auskristallisierung von Natriumuratkristallen und dadurch zu entzündlichen Reaktionen führt. Aber nur etwa einer von 400 Männern bekommt dadurch Gichtsymptome. Je höher der Harnsäurespiegel im Blut, desto höher das Risiko. Andereseits haben viele Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel keine schwerwiegende Gichtsymtome und bekommen diese auch nicht. Jedoch gibt es zahlreiche Symptome die von einer latenten oder lavierten Gicht stammen. Fazit: Ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut alleine ohne Symptome kann nicht als Akuter-Gichtanfall bezeichnet werden. Bei einem Gichtanfall findet man in den meisten Fällen - aber nicht in jedem Fall - einen erhöhten Harnsäurespiegel.


Ursachen 

  • Eine Hyperurikämie entsteht aufgrund einer vermehrten Bildung oder einer verminderten Ausscheidung von Harnsäure über die Niere. Die Störung der Ausscheidung ist dabei von wesentlich grösserer Bedeutung. Eine exakte Ursache lässt sich nicht finden. Man weiss aber, dass bei den meisten Erkrankten die Ausscheidung der Harnsäure in der Niere gestört ist und der Spiegel im Blut deswegen erhöht ist. Man weiss auch, dass diese Form familiär gehäuft vorkommt (d.h., dass in einer Familie überdurchschnittlich viele Fälle von erhöhter Harnsäure vorkommen, und das Risiko von Verwandten daher höher ist, ebenfalls einen erhöhten Harnsäurespiegel zu haben).
  • Erbliche Veranlagung. evtl. u.a. vererbte Gonorrhoe.
  • Die Leber bildet zuviele Purine. Angeborene Unfähigkeit zur Purinausscheidung.
  • Zu hohe Harnsäure Produktion: Nur in etwa 1% der Fälle ist eine zu hohe Harnsäureproduktion die Ursache der Primären Hyperurikämie (z.B. Lesch-Nyhan Syndrom: zeigt Gicht schon im Kindesalter).
  • Manche Fälle von Krebs, besonders Blutkrebs (z.B. Leukämien, Plasmozytome, Lymphome): es werden viele Krebszellen gebildet, und es werden auch viele abgebaut, dabei entsteht Harnsäure.
  • Krebstherapien (Chemotherapie, Bestrahlungen): Krebszellen werden zerstört, dabei entsteht Harnsäure.
  • Hämolysen: Auflösung von roten Blutkörperchen; rote Blutkörperchen werden laufend nachgebildet und wieder abgebaut.
  • Blitzdiäten, Fasten, Hungerzustände (Können einen Gichtanfall auslösen), durch freiwerden von übermässig vorhandener Harnsäure.
  • Verminderte Ausscheidung von Harnsäure bei Nierenversagen.
  • Verminderte Ausscheidung auch bei manchen Vergiftungen (Blei, Cadmium, Beryllium).
  • Hormondrüsenüberfunktionen: bei Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus), des Wachstumshormons (Akromegalie).
  • Verminderte Ausscheidung und vermehrte Zufuhr bei exzessivem Alkoholgenuss
  • Verminderte Ausscheidung durch mangelnde Trinkmenge, Dehydrierung.
  • Verminderte Ausscheidung bei bestimmter, sehr seltener angeborener Speicherkrankheit (Glykogenspeicherkrankheit Typ I).
  • Medikamente: viele Medikamente führen zu höheren Harnsäurespiegeln, darunter harntreibende Mittel (Diuretika), Abführmittel, Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Transplantationsmedikamente (Cyclosporin), Parkinson-Medikamente, Chemotherapeutika und andere.
  • Übermässiger Verzehr purinreicher Nahrung kann bei entsprechender Neigung zur Hyperurikämie führen oder diese verstärken.
  • Verminderter verzehr von Ballsatstoffen, frisches Obst und Gemüse.
  • Nährstoffmangel.
  • Ein akuter Gichtanfall kann durch zahlreiche sekundäre Faktoren dann ausgelöst werden, z. B. Stress, kleinere Traumata, Operative Eingriffe, heisses und feuchtes Wetter etc.
  • Es ist bekannt, dass Patienten mit dem metabolischen Syndrom (Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, hoher Blutzucker), Diabetes, oder Nierenerkrankungen häufiger an Gicht leiden.


Symptome

  • Die Gicht als Erkrankung ist definiert durch das Auftreten von Krankheitszeichen.
  • Der Akute Gichtanfall beginnt meist in der Nacht, oft ist das Grosszehengrundgelenk betroffen, mit einem plötzlichem starkem Schmerz im Gelenk, mit Schwellung, Rötung, Hitze, Steifigleit und Berührungsempfindlichkeit. Dazu können Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Herzrasen und Laborzeichen der Entzündung kommen (Leukozytose; Erhöhung der weissen Blutkörperchen, CRP-Erhöhung).
  • Beim akuten Gichtanfall ist meist das Grosszehengrundgelenk (80% der Fälle; sog. Podagra) betroffen, seltener Sprunggelenk, Fusswurzelgelenk, Kniegelenk (Gonagra), Handgelenke (Chiragra) oder Schultergelenk.
  • Der Akute-Gichtanfall kann einige Tage bis zwei Wochen dauern. Über 90% aller Betroffenen bekommen einen weiteren Anfall, der aber auch erst einige Jahre nach dem ersten auftreten kann. Zwischen den Anfällen anfangs keine Beschwerden. Bei hohem Harnsäurespiegel kommt es schubweise, in immer kürzeren Abständen, zu erneuten Gichtschmerzen. Bei neuerlichen Anfällen können mehrere Gelenke gleichzeitig oder hintereinander betroffen sein.
  • Ohne Behandlung entwickelt sich eine chronische Gicht, die zahlreiche Gelenke gleichzeitig schädigen und unschöne Gichtknoten (Tophie) ausbilden kann. Das sind an sich harmlose, rundliche Ablagerungen von Harnsäurekristallen an Körperstellen wie Ohrmuscheln, Ellbogen, Füssen und Fingern. Weiter kann es bei einer chronischen Gicht zu Harnsäureablagerungen in den Nieren kommen. Die sich daraus bildenden Nierensteine können das Nierenbecken entzünden und Koliken verursachen. Ausserdem kann sich eine chronische Gicht zu einer (sog. sekundären) Arthrose auswachsen.
  • Weitere Symptome der Akuten Gicht und latenten oder lavierten Gicht sind im Buch "Repertorium der Krankheitsursachen" 2. Aufl. Exer Verlag, zu finden.


Diagnostik

  • Anamnese: Familienanamnese, Tinkmenge, Lebensgewohnheiten, Ernährungsgewohnheiten, Symptomatik.
  • Die kliniche Diagnose ist bei der lavierten (versteckten) Gicht schwierig, in einzelnen Fällen sogar unmöglich, welche sich mit Sicherheit stellen lässt. Und hier ist es oft ein Vorzug, das der Praktiker vor dem Kliniker hat.
  • Blickbefund: z. B. Tophi, genereller Hartspann, besonders der Waden, aber auch der restliche Körpers kann betroffen sein.
  • Irisdiagnostik: Tophis, Übersäuerungs-Diathese (Harnsaure Diathese), Glandulär schwache Disposition, Myosis (u.a. auch durch Gicht).
  • Messgerät zur Selbst-Messung des Harnsäurewertes. Bei den Messgeräten handelt es sich um reine Harnsäuremessgeräte oder auch um kombinierte Geräte zur Bestimmung von Blutzucker- und Harnsäurewerten. Zur Messung wird auf einen Teststreifen wird ein Tropfen Blut gegeben, das Gerät ermittelt dann in einigen Sekunden den Harnsäurewert. Nicht alle auf dem Markt befindlichen Geräte arbeiten ausreichend präzise! Die Preise für die Harnsäuremessgeräte variieren stark. Das BeneCheck kostet circa 30 Franken/Euro, dazu kommen laufende Kosten für Elektroden (25 Stück für ca. 25 Franken/Euro bei drei Monaten Haltbarkeit nach Anbruch der Packung) und Kontrolllösung (ca. zehn Franken/Euro). Bei der Selbstmessung des Harnsäurewerts denken Sie bitte daran, dass der Harnsäurewert von Tag zu Tag sowie auch im Tagesverlauf schwankt. Er ist unter anderem von der Tageszeit, der Ernährung, der Trinkmenge, Konsum von fructosegesüssten Getränken, Alkoholkonsum und Sport oder körperliche Belastung abhängig. Um gut vergleichbare Ergebnisse zu erhalten ist es sinnvoll, jeweils zur selben Uhrzeit zu messen. Der Wert kann von Tag zu Tag um über ein mg / dl schwanken. Weiterhin beeinflusst auch das Messverfahren den ermittelten Wert (z. B. die Ermittlung des Wertes im Blut oder im Serum).
  • Unrin-Teststreifen: Hier kommt es manchmal zu Missverständnissen. Der Körper scheidet die Harnsäure über die Nieren (also mit dem Urin) aus. Und die Menge der ausgeschiedenen Harnsäure lässt sich mit Teststreifen messen. Allerdings ist dieser Wert vorrangig für Menschen mit einer Nierenerkrankung interessant. Bei Gicht sind diese Messwerte nicht hilfreich, denn wir wollen ja nicht wissen, wie viel Harnsäure sich im Urin befindet, lediglich der Wert im Blut ist aussagefähig. Weiterhin gibt es Teststreifen zur Bestimmung des PH-Werts des Urins (also wie „sauer“ der Urin ist).  Ein zu niedriger PH-Wert (kleiner gleich 5) kann auf Gicht hinweisen, ist aber zur Kontrolle des Harnsäurewerts nicht weiter von Bedeutung.
  • Erhöhter Harnsäurespiegel im Blut ist ein Indiz, ebenso laborchemische Entzündungszeichen. Entscheidend kann der Nachweis von Harnsäure-Kristallen in der Gelenksflüssigkeit sein. Die Untersuchung des Harnsäurewertes sollte zwei Wochen nach Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie nocmals gemessen werden. Danach, alle ein bis zwei Monate, bis die Dosierung des Heilmittels so angepasst ist, dass der angestrebte Harnsäurewert (also in der Regel 5, 0 bis 6,0 mg / dl) gehalten wird. Bei stabilem Harnsäurewert und unveränderter Dosierung des Heilmittels alle sechs bis zwölf Monate. Bei erhöhten Harnsäurewerten ohne weiteres Symptome alle sechs bis zwölf Monate. Und jährlich bei Gesunden mit familiärer Vorbelastung.
  • Historisch: In den vergangenen Jahrhunderten als es noch keine Laborgerate wie heute gab, liess man bei verdacht auf Gicht die Betroffenen in ein Sammelgefäss urinieren und gab dann den Urin in einen Suppenteller o.ä.. Anschliessen wurde mit einem Löffel, über den Suppentellerboden langsam darüber gefahren, bei Vorhanden sein von Harnsäurekristallen, die unsichtbar sind, konnten diese anhand von den knirschenden Geräuschen, wahrgenommen werden.
  • Bei reichlicher Harnsäureausscheidung kann der Urin streng riechen.


Differenzialdiagnose

  • Pseudogicht dabei bestehen die Ablagerungen aus Calciumphosphat-Kristallen und nicht aus Harnsäurekristallen.
  • Arthrose, Borreliose (Lyme-Arthritis), Psoriasisarthritis und andere Arthritiden, Infektionskrankheiten sowie Bursitis. 


Therapie

Die Therapie sollte beim akuten Gichtanfall so rasch wie möglich eingeleitet werden.

Die schulmedizinische Behandlung ist dabei sehr hilfreich. Ziel ist es, die starken Schmerzen schnell und zuverlässig zu beseitigen.


Die Naturheilkunde bietet aber auch einiges für den akuten Gichtanfall, verwenden doch beide Colchicin zur Behandlung. Darüber hinaus kann naturheilkundlich eine Senkung der Häufigkeit von Gichtanfällen oder gar ein ausbleiben von weiteren Gichtanfällen erziehlt werden so dass auch Komplikationen (v.a. Nierenschäden, Nierensteine, Gelenkszerstörungen und Gichtknoten) verhindert werden oder behandelt werden können. Gerade bei der chronischen Gicht, und auch bei der "lavierten Gicht" vermag die Naturheilkunde grossartiges vollbringen durch die Regulation des gestörten Stoffwechsels.


Leiden Sie unter lavierter, akuter oder chronischer Gicht? Und jetzt? Wäre es nicht ein versuch Wert einen anderen Weg zu gehen und sich mal ganzheitlich Beraten und Behandeln zu lassen?